Knoops Park ©A. Nowara

[5] Lautlose Jäger

Eines der bedeutsamsten Winterquartiere Norddeutschlands

Was machen Fledermäuse, wenn der Sommer zu Ende geht? Einige Arten wie der Abendsegler (Nyctalus noctula) ziehen in Richtung Süden bis ins Mittelmeergebiet, andere wie die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) führen keine größeren Wanderungen durch. Fledermäuse, die den Winter hier verbringen, suchen sich im Herbst gut geschützte Quartiere wie Höhlen oder Stollen, aber auch Dächer von Häusern oder Hohlräume in Bäumen. Wichtig ist, dass die Quartiere frei von Frost und Zugluft bleiben.

Während es im fels- und bergreichen Süden Deutschlands vergleichsweise viele Höhlen als Überwinterungsquartiere gibt, herrscht daran im flachen, von Sanden, Marschen und Moorböden geprägten Norddeutschland Mangel. Umso größer ist die Bedeutung großer leer stehender Gebäude in der Landschaft. In Nordwestdeutschland gibt es nur zwei Massen-Überwinterungsquartiere für Fledermäuse: die Kalkhöhlen bei Segeberg in Schleswig-Holstein und den Bunker Valentin in Bremen-Nord.

In diesem Bunker, der im Dritten Reich von Zwangsarbeitern um den Preis unsäglichen Leidens gebaut worden war, entdeckten vor einigen Jahren Ulf Rahmel, Lothar Bach sowie weitere Mitglieder des Arbeitskreises Fledermausschutz (AKF) eines der bedeutendsten Fledermaus-Winterquartiere in Norddeutschland. In den Dehnungsfugen des Mauerwerks hingen eng aneinandergerückt in 4,5m tiefen Spalten zahlreiche Fledermäuse. Anfang 2009 konnten Fledermausexperten 4500 Fledermäuse zählen. Damit gehört der ehemalige U-Bootbunker zu den bedeutendsten Fledermaus-Winterquartieren in ganz Norddeutschland. Durch kontinuierliche Ruffolgeaufzeichnungen ist belegt, dass sich in diesem Winterquartier überwiegend Zwergfledermäuse aufhalten. Dazu kommen aber mindestens sieben weitere Fledermausarten, die dort den Winter verbringen, darunter Mücken-, Rauhaut-, Breitflügel-, Wasser-, Teichfledermäuse, Langohrfledermäuse und Abendsegler.

Auch im Winter aktiv

Im Herbst bildet der Bunker einen magischen Anziehungspunkt für Fledermäuse, die wahrscheinlich aus einem großen Einzugsgebiet „anreisen". Doch woher sie kommen, ist bisher nicht erforscht.

Auch im Winter kommen die Tiere keineswegs ganz zur Ruhe, sie bleiben auch dann noch erstaunlich aktiv. Die Fledermäuse wechseln öfter ihren Aufenthaltsort, geben Soziallaute von sich und fliegen bei höheren Temperaturen sogar nach draußen, um Insekten oder Spinnen zu jagen.

Angesichts der hohen Arten- und Individuenzahlen, die der Bunker birgt, hat die Riesenruine in Farge eine außerordentliche Bedeutung für den Schutz dieser Säugergruppe, die insbesondere durch Pestizide, die Ausräumung der Landschaft, aber auch durch die Modernisierung von Häusern bedroht ist.

Die mit Abstand häufigste Art, die den Bunker Valentin als Überwinterungsraum nutzt, ist die Zwergfledermaus, unsere kleinste heimische Art, die mit zusammengelegten Flügeln sogar in einer Streichholzschachtel Platz findet. Bereits im August fliegen die Tiere umher, um geeignete Winterquartiere zu erkunden, aber erst im Oktober/November ziehen sie tatsächlich ein. Etwa im März, sobald es wärmer wird, fliegen sie wieder nach draußen.

Zwergfledermäuse
Zwergfledermäuse gehören zu den kleinsten in Bremen. Sie sind so schwer wie ein Stück Würfelzucker. Foto: BUND Bremen

Fledermaus-Telefon

Tel. 0421 - 79 00 20 (BUND)
heike.schumacher(at)bund-bremen.net

Tel. 0421 - 35 35 25 (AKF)
kempf(at)oekofakt.de

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Stefan Greif und Björn M. Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie im oberbayerischen Seewiesen berichten in Nature Communications über ihre Studie an Fledermäusen. Auf YouTube ansehen >>