Knoops Park ©A. Nowara

[17] Galaktische Weiten

Milchstrasse - Galaktische Weiten

An sehr klaren, dunklen Spätsommer und Herbstnächsten können Sie einen Blick auf unsere kosmische Heimat, die Milchstrasse werfen: ein helles, wolkiges Band, durchsetzt von Dunkelwolken, das fast senkrecht aus den Sternbildern Skorpion und Schütze emposteigt, sich vorbei an den Sternbildern des Schlangenträgers, der Leier und des Schwans, über das auffällige W der Kassiopeia bis zum Perseus im Nordosten über den Himmel zieht. Könnten wir über den Äquator auf die Südhalbkugel reisen, würde sich der Ring der Milchstrasse dort fortsetzen und ungleich prachtvoller zu bestaunen sein, da  dort das helle Zentrum der Milchstrasse hoch am Himmel steht.

Die Griechen als Namensgeber

Was Sie sehen ist ein Teil unserer eigenen Galaxie. "Verschüttete Milch", (gálaktos: griech. für Milch) sahen die alten Griechen in ihr, von der Göttin Hera über den Himmel verspritzt, als sie beim Erwachen plötzlich Herakles an ihrem Busen trinken sah - den unehelichen Sohn ihres Göttergatten Zeus. Im Sprachgebrauch hat sich "Galaxis" für die Milchstraße erhalten, während wir als "Galaxien" andere Sternsysteme bezeichnen. "Galaktisch" sind die Objekte oder Phänomene innerhalb der Milchstraße, alles außerhalb ist "extragalaktisch".

Eine von Milliarden Sternsystemen - unsere Galaxis

Mit heutiger Technik sind von der Erde aus etwa 50 Milliarden anderer Galaxien zu beobachten. Wie viele dieser anderen Sternsysteme setzt sich die Milchstraße aus hundert Milliarden Einzelsternen zusammen. Unsere Galaxis ist eine Spiralgalaxie, diskusförmig mit einem dickeren Wulst ("bulge") im Zentrum. Ihr Durchmesser erreicht 100.000 Lichtjahre (ein Lichtjahr ist die Entfernung, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, wobei die Lichtgeschwindigkeit 300.000 km in der Sekunde beträgt) , dabei ist sie aber nur rund 3.000 Lichtjahre dick, im Zentrum sogar 16.000 Lichtjahre. Sie ist aus fünf lockeren Spiralarmen aufgebaut und ähnelt sehr unserer Nachbargalaxie, dem Andromedanebel. Unsere Sonne sitzt weit außen an einem der Arme: rund 26.000 Lichtjahre vom Zentrum der Milchstraße entfernt. Am Himmel sehen Sie auf zwei dieser Spiralarme: Etwa beim Sternbild Schwan blicken wir an unserem eigenen, lokalen Spiralarm entlang, dem Orionarm. Den uns außen umgebende Perseusarm sehen Sie in Richtung des Sternbilds Perseus. Das Sternbild Schütze liegt dagegen in Blickrichtung auf das Zentrum der Galaxie, deswegen erscheint hier das Band der Milchstraße auch breiter.

Beobachtungstipps

Es ist sogar möglich, mitten heraus aus dem Stadtgebiet Bremens, an einem dunklen Standort, einen Schimmer der Milchstrasse zu erahnen. Sehr viel eindrucksvoller ist ihr Anblick allerdings, wenn Sie einen wirklich dunklen Beobachtungsort suchen und sich etwas Zeit nehmen, damit Ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen können. Sie sehen dann, dass das  Band der Milchstrasse durch zahlreich Dunkelwolken strukturiert wird und  im Bereich des Sternbildes Schwans besonders prägnant ist. Das Sommerdreick, die hellen Sterne Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Altair im Adler sind gute Orientierungspunkte am Nachthimmel. In einem kleinen Fernglas sehen Sie ähnlich wie Galileo, der 1609 zum ersten Mal ein Fernrohr auf die Milchstrasse richtete, ungleich mehr: das helle Band löst sich in eine unüberschaubare Anzahl von Sternen unterschiedlicher Farben und Helligkeiten auf, Sternhaufen, dunkle und helle Nebel lösen einander ab. Nicht vergessen sollte man, dass dies eine Innenschau auf unsere kosmische Heimat ist. Wir sind sozusagen mitten drin. Einen Blick von außen auf unsere Galaxie wird wohl kaum ein Mensch je machen können. Nur durch Beobachtung und Vergleich mit vielen anderen Galaxien können wir uns ein realistisches Bild unserer Sterneninsel machen.

Andromedanebel ©A. Nowara
Andromedanebel ©A. Nowara
Herbstliche Milchstrasse ©A. Nowara
Herbstliche Milchstrasse ©A. Nowara