Untere Wümme ©A. Nowara

[2] Spuren im Schnee

Spuren lesen

Tierspuren richtig lesen zu können, war für Naturvölker überlebenswichtig. Die Indianer Nordamerikas verfügten über erstaunliche Fähigkeiten, nicht nur zu erkennen, um welche Art es sich bei einer Fährte handelte, sondern daraus auch auf Alter und Gesundheitszustand des Tiers zu schließen. Der Winter im industrialisierten Mitteleuropa aber gibt auch Laien die Chance, die Fährten oder andere Lebenszeichen von Tieren zu sehen und anhand guter Bestimmungsliteratur zu identifizieren.

Zeugen winterlichen Tierlebens

Wenn der Schnee frisch gefallen ist und die Sonne scheint, verwandeln sich die Flussniederungen Bremens in funkelnde weiße Traumlandschaften. Und im frischen Schnee sind die Voraussetzungen besonders gut, Tierspuren zu entdecken. Je nach Lebensraum lassen sich die unterschiedlichsten Spuren erkennen: die Abdrücke von Füßen, ob Säugetier oder Vogel, aber auch die Spuren von Mahlzeiten wie verstreute Samenkörner oder auch verstreute Vogelfedern als Zeichen von wild ausgetragenen Kämpfen.

Fast überall werden Sie in Bremens Natur auf Hundespuren stoßen. Sollte es sich jedoch um einen Fuchs handeln, so achten Sie auf die Form der Ballenabdrücke im Schnee: Beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) sind sie immer deutlich schmaler als bei Hunden.

Unverkennbar sind die Trittsiegel von Rehen, die keineswegs nur in Wäldern vorkommen, sondern auch in größeren Trupps auf Äckern und Wiesen stehen. Hasen und Kaninchen hinterlassen beim Hoppeln charakteristische Dreiecksmuster ihrer vier Läufe. Sie setzen ihre beiden Vorderpfoten hintereinander auf, stellen jedoch ihre Hinterpfoten nebeneinander. Wenn Hasen ein großes Tempo erreichen, können ihre Spuren ein bis maximal drei Meter voneinander entfernt liegen. Genauer hinsehen muss man schon bei kleinen Säugern wie Eichhörnchen oder Mäusen. Wühlmäuse hinterlassen in den frisch verschneiten Wiesen jedoch gut sichtbar feine, ausgetretene Rillen, die an einem dunklen Loch enden: Dies sind ihre „Pfade", auf denen sie immer wieder hin und her getrippelt sind.

Vielfältige Spuren von Vögeln im Winter

Kleinvögel lassen mit ihren schmalen Füßen nur feine, dünne Spuren im Schnee zurück. Unverwechselbar dagegen sind die Spuren der Enten, deren Schwimmhäute sich breit auf dem weißen Boden abdrücken. Für Vögel bedeutet der Winter oft eine Zeit des Darbens, und sie sind auf der Suche nach Beeren oder Samen, die sie im Gebüsch oder an hohen Gräsern finden. Die Zeugen solcher Plünderungsaktionen sind herab gefallene Früchte oder zahlreiche weit verstreute Samenkörner, die zum Beispiel Buchfinken hinterließen.

Zahlreiche weitere Spuren lassen sich bei einem aufmerksamen Spaziergang ausmachen: Vielleicht im Wald das morsche Holz, das ein Buntspecht beim Stochern nach Insekten am Boden zurückgelassen hat. Oder auch ganze Haufen von Federn, die im Schnee besonders gut sichtbar sind und von der Rupfung eines Beutevogels durch einen Greifvogel zeugen.

Man kann sich relativ schnell in das Thema „Tierspuren" einarbeiten. Empfehlenswert ist immer, vor Ort ein Foto zur Dokumentation zu machen. So entsteht schnell eine kleine Sammlung. Hat man erst einmal seinen Blick geschärft, wird man immer wieder neue, noch unbekannte Spuren entdecken, an denen man erneut das „Lesen" lernen kann.