Seltene Pflanzen und Tiere im Fokus- Naturschutzgebiet Eispohl, Sandwehen und Heideweiher

Einzigartige Artenvielfalt in Bremen-Nord - Neue Rote Liste für Armleuchteralgen veröffentlicht.

Anlässlich des Besuches des Leiters des Rote Liste Zentrums des Bundes rückt die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft (SUKW) das Naturschutzgebiet Eispohl, Sandwehen und Heideweiher im äußersten Norden Bremens in den Fokus. Das Gebiet zählt zu den naturschutzfachlich wertvollsten Flächen des Landes Bremen und ist von herausragender Bedeutung für den Erhalt seltener Arten und Lebensräume. Dr. Steffen Caspari vom Rote-Liste-Zentrum Deutschland inspizierte erneut gemeinsam mit Dr. Bettina Frieben von der Naturschutzfachbehörde der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft sowie Andreas Nageler, der das Gebiet seit über 30 Jahren betreut, und Dr. Dirk Drewes, Leiter des Bundesforstbetriebes Niedersachsen das Schutzgebiet. Die "Perle des Bremer Naturschutzes" steht beispielhaft für den erfolgreichen Schutz seltener Arten und Lebensräume.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Natura 2000-Gebieten findet hier fast keine Nutzung statt. Die Heiden und Silbergrasfluren auf der Binnendüne des südlichen Schutzgebietes beherbergen typische und seltene Pflanzenarten wie Berg-Sandglöckchen, Echtes Tausendgüldenkraut und Quendel-Seide. Glocken- und Besenheide blühen im Sommer entlang eines schmalen Spazierpfades – ein Paradies für Insekten und Naturfreunde.

Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: "Das Naturschutzgebiet Eispohl, Sandwehen und Heideweiher ist ein besonderes Juwel in Bremen. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten. Nur so können wir unsere wertvolle Natur erhalten. Damit seltene Pflanzen und Tiere hier weiterleben können, braucht es gezielte Pflege. Dazu gehören zum Beispiel die ökologische Grabenräumung, die Pflege der Gewässer und eine schonende Landwirtschaft in der Umgebung. Diese Maßnahmen sind gesetzlich vorgeschrieben – und aus guten Gründen. Sie sind notwendig, um die besonderen Lebensräume und Arten zu schützen, die nach europäischen Regeln besonders wichtig sind. Nur so können wir diese Natur für die Zukunft bewahren."

Im vergangenen Jahr abgeschobene Heideflächen sieht man hier neben länger ungestörten Kleinsträuchern aus Besenheide. Die Bedeutung abschnittsweiser Pflege für die Artenvielfalt der Heiden, zu der auch Flechten- und Moosarten gehören, wurde in diesem Jahr eindrücklich in einer Masterarbeit der Biologin Mira Heinken der Arbeitsgruppe Vegetationsökologie und Naturschutzbiologie der Universität Bremen um Prof. Dr. Martin Diekmann bestätigt. Offene Sandflächen, die im vorletzten Winter geschaffen wurden, bieten nun Lebensraum für Sandlaufkäfer, Grabwespen und Blauflügelige Ödlandschrecke. Auch Zauneidechsen finden hier Rückzugsorte. Im feuchten Katzenpohl blüht im Juli der stark gefährdete Lungen-Enzian, am Eispohl der zierliche Faden-Enzian.

Der Norden des Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebietes bleibt für die Öffentlichkeit unzugänglich – und das ist wichtig. Am Heideweiher befindet sich ein einzigartiger, nährstoffarmer Gewässerkomplex, der seltenen Pflanzen- und Tierarten ideale Bedingungen bietet. Zum Baden und Picknicken ohnehin völlig ungeeignet, bietet er überaus seltenen Pflanzen- und Tierarten unersetzliche Bedingungen: Strandlingsfluren mit Wasser-Lobelie, Reinweißem Hahnenfuß, Vielstängeliger Sumpfbinse, Kleinem Wasserschlauch und blühendem Sonnentau, sogar die lang vermisste, 2024 wiedergefundene Borstblatt-Schmiele wächst hier. Im Weiher und den benachbarten sogenannten Anodengewässern leben europäisch geschützte, seltene Tierarten wie Große Moosjungfer, Moorfrosch und zahlreiche Kamm- wie auch Teichmolche. In enger Zusammenarbeit mit den Bundesforsten wird hier von SUKW und der Hanseatischen Naturentwicklung GmBH (Haneg) dafür gesorgt, dass Schilf und Gehölze die wertvollen Lebensräume nicht beeinträchtigen: Das bedeutet, dass sie nicht den offen zu haltenden Heideweiher erobern und die lichtbedürftigen Gewässerhabitate nicht zu sehr beschattet werden.

Wie Bremen seltene Pflanzen und Tiere schützt

In anderen bundeseigenen Bremer Gewässern wie dem Grambker Feldmarksee und dem Kuhgrabensee wachsen seltene Armleuchteralgen. Diese filigranen Unterwasserpflanzen sind wichtige Indikatoren für die Wasserqualität. Zerbrechliche oder Stern-Armleuchteralge, Haarfeine, Biegsame, Stachelspitzige oder Schimmernde Glanzleuchteralgen: Die Namen der weitgehend unbekannten Arten regen die Fantasie an. Zur Fortpflanzung bilden sie sogenannte Gametangien aus, die "wie Lichter auf den Armen eines Kandelabers" sitzen. Erstmals seit 1990 wurde für Niedersachsen und Bremen eine neue Rote Liste der Armleuchteralgen veröffentlicht, die auch zahlreiche Bremer Fundorte berücksichtigt und die Bedeutung dieser Lebensräume unterstreicht. Von den 27 beschriebenen Arten kommen neun in Bremen vor, davon sind zwei stark gefährdet.

Fünf dieser neun Arten werden als in Niedersachsen und Bremen ungefährdet eingestuft, eine Art steht auf der Vorwarnliste, eine Art ist gefährdet. Zwei andere stark gefährdete Arten wurden seit vor 1999 in Bremen nicht mehr dokumentiert.

Kuhgrabensee und Grambker Feldmarksee entsprechen dem europäisch relevanten FFH-Lebensraumtyp "Nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche kalkhaltige Stillgewässer mit Armleuchteralgen" und sind Natura 2000- beziehungsweise FFH-Gebiet. In kleinen nährstoffarmen Gewässern und in ökologisch geräumten Gräben des Hollerlandes, des Werderlandes und weiteren Schutzgebieten gedeihen andere Armleuchteralgen in Bremen. Sogar im Stadtwaldsee behaupten sich einzelne Arten mühsam, trotz Stress durch Freizeitnutzung.

Die Lebensräume der Armleuchteralgen sind durch Trübung und Fischbesatz bedroht. Um ihre Vielfalt zu erhalten, setzen die Naturschutz- und Wasserbehörde der SUKW, die haneg und der BUND zahlreiche Maßnahmen um: Dazu gehören die ökologische Grabenräumung, Pflegemaßnahmen an Gewässern und eine extensive landwirtschaftliche Nutzung im Umfeld. Diese Erhaltungsmaßnahmen sind keine freiwillige Aufgabe, sondern gesetzliche Pflicht, um die europäischen Schutzgebiete und ihre Artenvielfalt zu bewahren.

Hintergrund:

Natura 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten, das zum Erhalt gefährdeter wildlebender Pflanzen- und Tierarten sowie ihrer natürlichen Lebensräume dient. Es wurde auf Grundlage der EU-Vogelschutzrichtlinie und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie eingerichtet. Ziel ist es, die biologische Vielfalt in Europa langfristig zu sichern und gleichzeitig eine nachhaltige Nutzung der Gebiete zu ermöglichen. Die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur unterstreicht diese Pflichten.

Die neue Rote Liste der Armleuchteralgen für Niedersachsen und Bremen, die zahlreiche Bremer Fundorte berücksichtigt, wurde erstmals 1990 veröffentlicht. Das AutorInnen-Team um Dr. Annemarie Schacherer und Dr. Ralf Becker hat einen einzigartigen Datenschatz ausgewertet, der von engagierten Botanikerinnen und Botanikern, darunter zahlreichen Ehrenamtlichen erfasst wurde. Zu den für die Rote Liste ausgewerteten Arbeiten gehören auch Gutachten aus dem Bremischen Integrierten Erfassungsprogramm und Masterarbeiten der oben genannten Arbeitsgruppe der Universität Bremen, die 2024 von den Nachwuchsbotanikern Finn Gerlach und Leonard Mayen erarbeitet wurden.

Die Liste mit weitern Informationen gibt es zum Download unter www.nlwkn.niedersachsen.de

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Aussichtsturm Hollerdeich gesperrt

Reparatur im August

Leider musste der Aussichtsturm Hollerdeich aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Er kann erst ab Mitte August repariert werden. Nicht erst zur Rastzeit der Gänse, Schwäne und Enten können Sie den weiten Blick in die Borgfelder Wümmewiesen wieder genießen. Erfreuen Sie sich so lang an bunt blühenden Hochstauden, patroullierenden Libellen und herum springenden Heuschrecken. Oder besuchen Sie die östliche Werderinsel, hier können Sie vom Aussichtsturm am Weserwehr die neue wilde Weide mitten in der Stadt erleben. 

Eröffnung des Natur-Erlebniswegs "Wilder Grüner Westen" am 04. März 2025

Ein attraktives Ausflugsziel für Klein und Groß im Grünen Bremer Westen

 

Am Dienstag, den 04. März 2025 findet um 12:30 Uhr die feierliche Eröffnung des Rundwegs In den Wischen und des neuen Erlebnispfads mit den Senatorinnen Kathrin Moosdorf und Özlem Ünsal statt.

Auf dem 1,2 km langen Erlebnispfad gibt es viel Spannendes über die Tier- und Pflanzenwelt im Grünen Bremer Westen zu erfahren. Anhand von Informationstafeln und interaktiven Erlebnisstationen wird gezeigt, wie wertvoll, einzigartig und vielfältig die Natur im Kleingartengebiet ist. Spielerisch erfährt man Wissenswertes über Flora und Fauna (u.a. von den Fischen in den Fleeten über giftige, gebietsfremde Pflanzen am Wegesrand bis hin zu den vielen Insekten- und Säugetierarten in den Gärten), über das angrenzende Naturschutzgebiet Blockland sowie über die Besonderheiten der verschiedenen Gartenvögel. Dazu gibt es hilfreiche Tipps zum Erhalt der wertvollen Lebensräume und am Bienenfutterautomaten können sich alle, die jetzt motiviert sind, selbst etwas für die Artenvielfalt zu tun, mit Wildblumensamen eindecken. Auch Spiel und Spaß kommen entlang des Weges nicht zu kurz. Klettern auf dem Eingangsbogen, Balancieren auf dem Entdeckerpfad, Wippen im Vogelnest oder einen Blick von der Aussichtsplattform wagen? Der Landschaftsraum lässt sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven entdecken, Sitzgelegenheiten für ein gemütliches Picknick sind ebenfalls vorhanden.
Sobald die Kirschen, Äpfel und Quitten entlang der neu angelegten Obstbaumallee beim Erlebnispfad reif sind, darf natürlich gerne zugegriffen werden. Für alle die Lust haben eine größere Runde zu laufen, empfiehlt sich der 5-km lange Rundweg, an dem der Naturerlebnispfad liegt. Dieser führt parallel zum Maschinenfleet zum Waller Feldmarksee und bietet weitere Einblick in den Landschaftsraum mit seinen Kleingärten, Streuobstwiesen und Wasserflächen.

Der Pfad ist am besten mit dem Fahrrad zu erreichen. Es gibt aber auch Parkmöglichkeiten am Cornusweg.

Der Naturerlebnispfad ist ein Projekt aus dem IEK-Gröpelingen und wurde in Zusammenarbeit von der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft und der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung umgesetzt.