Naturschutzgebiet Eispohl, Sandwehen ©A. Nowara

Heideflächen

Heideflächen in Bremen? Als Lebensraum? Gibt es denn außer der Heidelandschaft im Rhododendronpark noch andere Heiden?

Ja, es gibt sie, wenn auch längst nicht mehr in dem Umfang wie es sie noch in den Zeiten gab, als man schon die ersten Karten zeichnete.

Was ist das eigentlich, eine Heide? Es handelt sich hier um uralte Kulturlandschaften, die es in ganz Europa von Portugal im Süden bis Norwegen im Norden seit etwa 5.000 Jahren gab. Sie entstanden durch das Abholzen von Wäldern und anschließende extensive Schafbeweidung auf trockenen Sandböden. Diese sind meist nährstoffarm und haben einen sauren ph-Wert. Typisch für die Heiden ist zum einen die im Spätsommer violett blühende Besenheide, charakteristisch sind aber auch verschiedene Ginster-Arten und die Heidelbeere. Einzelne Wacholder ergänzen das typische Bilde einer Heidelandschaft, die nach wie vor auf Nutzung angewiesen ist. Ohne Beweidung oder - als technische Alternative Abplaggen oder Mähen - würde die Heide rasch wieder zu Wald werden. An feuchteren Stellen, in Senken oder im bereich von aus den Hängen austretendem Quellwasser wachsen Feuchtheiden, bei denen die im Sommer hellrot blühende Glockenheide die beherrschende Pflanzenart ist. Hier kommen auch das Pfeifengras, seltener der Lungenenzian, Sonnentau oder Haarsimse vor.

Eine sehr große Anzahl an Insekten hat sich auf diesen Lebensraum spezialisiert, zahlreiche Wildbienen, Wanzen, Laufkäfer, Heuschrecken und Schmetterlinge. Aber auch die Wald- und die Zauneidechse sind hier zuhause.

Ihre größte Ausdehnung erreichten die Heiden im 18. Jahrhundert, als die seit dem Mittelalter praktizierte Übernutzung der Wälder zur Entwaldung der Landschaft geführt hatte. Heide kann nalso durchaus als ein Ergebnis von Umweltzerstörung angesehen werden. Gerade in Nordbremen und den angrenzenden Flächen in Niedersachsen weisen heute noch die Namen darauf hin, dass es bei uns auch viele Heidelandschaften gegeben hat: Farger Heide, Schwanedweder Heide und Rönnebecker Heide sind hierfür Beispiele.

Durch die intensiver werdende Landwirtschaft mit tiefen Pflügen und Kunstdünger sowie durch Aufforstungen wurden die Heideflächen dann umgenutzt. In Bremen befinden sich die letzten Reste auf der Rekumer Geest, inbesondere in der Farger Heide und im Naturschutzgebiet Eispohl/Sandwehen sowie - ganz im Süden Bremens - auf der Mahndorfer Düne. Auch auf einigen im Zuge das Hafenausbaus und der Entwicklung des Niedervielands entstandenen Sandspülfeldern hat sich zunächst eine Heidevegetation entwickelt.

Aufgrund ihrer besondern Naturausstattung versuchen die Naturschützer in Bremen, diese letzten Relikte zu erhalten und zu entwickeln.

Als Naturerlebnisraum eignen sich diese seltenen Landschaften sehr, vor allem an warmen Sommertagen, wenn es hier typisch nach Heide duftet und die Insekten mit deutlichem Summen ihrer Arbeit nachgehen...

Besenheide, Foto: Michael Abendroth
Besenheide, Foto: Michael Abendroth
Farger Heideweiher, Foto: Andreas Nagler
Farger Heideweiher, Foto: Andreas Nagler