[5] Buntes Leben auf dem Friedhof

Friedhof voller Leben

Auf dem Riensberger Friedhof, 1875 gegründet und im Stadtteil Schwachhausen gelegen, ruhen nicht nur Tote, dort sprießt auch vielfältiges Leben. Der Besuch dieses Friedhofs lohnt sich vor allem, weil er stellenweise den Charakter eines Landschaftsparks hat, aber auch wegen der vielen sehenswerten Mausoleen.

Idylle und architektonisch Reizvolles um den Riensberger See

Wenn Sie den Haupteingang passieren, kommen Sie zunächst an zahlreichen kleineren Gräbern vorbei, bis ein Rundweg um den Riensberger See herum führt. Wenn Sie den See umrunden, vergessen Sie schnell, dass Sie sich auf einem Friedhof befinden - die Gräber sind optisch weggerückt.

Am Ufer stehen Mausoleen, die in ihrer Größe beeindrucken – wie das der Familie Lüder Rutenberg. Achten Sie auf die äußerst fein gearbeitete schmiedeeiserne Tür, an der Natur und Technik eine Synthese eingehen: Das Metall ist zu einem filigranen Gewirr aus Ranken, Blättern und Blüten geschmiedet, in denen im Sommer auch zahllose Spinnen winzige Netze gewoben haben.

Am Ufer des Sees erhebt sich im neoklassizistischen Stil das Kolumbarium, 1903-06 erbaut. Ursprünglich war dies das Krematorium, und zwar sogar das erste Norddeutschlands. Da es technisch veraltet war und ein größeres zentral erbaut wurde, geriet dieses Gebäude jahrelang in Vergessenheit. Erst 2002 bekam es mit dem Kolumbarium eine neue bedeutung: hier werden Urnen bestattet. Schauen Sie sich einmal das schöne Mosaik über dem Eingang an.

Beim Rundgang um den See sorgen Rot- und Blutbuchen, Eiben, Stechpalmen und Rhododendron für Schatten und grüne Vielfalt. Besonders an der recht steilen Uferböschung des Riensberger Sees geht es im Sommer bunt zu: Dort blühen Hahnenfuß, Vergissmeinnicht, Kornblume und Klatschmohn, nah am Wasser Blutweiderich, umgeben von dichten Seggenrieden.

Ein kleines El Dorado für Botaniker

Wer sich genauer für die Pflanzenwelt interessiert, kann sich einer botanischen Exkursion des Naturwissenschaftlichen Vereins (NWV) zu Bremen anschließen (die allerdings nicht jährlich angeboten wird). 180 Pflanzenarten hat der Botaniker Jürgen Feder auf dem Riensberger Friedhof bereits nachgewiesen, darunter Arten, die auf Friedhöfe beschränkt sind oder dort zumindest Schwerpunktvorkommen bilden: Arten wie der Gehörnte Sauerklee (Oxalis corniculata) mit seinen rötlich-braunen Blättern treten merkwürdigerweise nur auf Friedhöfen auf, wo auch die Gartenwolfsmilch (Euphorbia peplus) ihren Schwerpunkt hat. Im Jahre 1770 ließ sich der berühmte Nordbremer Botaniker Albrecht Roth Samen eines Krauts aus Südamerika schicken: Das Behaarte Franzosenkraut (Galinsoga cilata) entkam aus seinem Garten und wurde zu einem weit verbreiteten Acker- und Gartenunkraut – auf dem Riensberger Friedhof bildet es große Bestände.

Da der Riensberger Friedhof schon recht alt ist, hatte vor allem die Flechtenflora genügend Zeit, die Grabsteine in zahlreichen seltenen Arten zu besiedeln.

Ein Gang durch Bremens Geschichte

Wer als Bremerin oder Bremer den Riensberger Friedhof besucht und auch  die Namen auf den Grabsteinen beachtet, wird reichlich belohnt, wenn er ein paar Geschichtskenntnisse hat. Denn hier liegen zahlreiche Menschen, die zu Lebzeiten und teilweise weit darüber hinaus von großer gesellschaftlicher Bedeutung waren. Wilhelm Kaisen, Bremers erster Bürgermeister nach dem Krieg; der ehemalige Bundespräsident Carl Carstens; der Arzt und Astronom Heinrich Wilhelm Olbers; Flugzeugkonstrukteur Henrich Focke; der Schrifsteller und Ehrenbürger Bremens Rudolf Alexander Schröder; der Chocoladenfabrikant Josef Johannes Hachez; Der Mitbegründer des Nordeutschen Lloyd Eduard Krüsemann; Johann Jacobs, Gründer von Jacobs-Kaffee; Paul Ludwig von Kapff, der Inhaber des Weinimporthauses; Eduard Schopf, Gründer von Eduscho, Franz und Carl Schütte, Deutschlands bedeutendste Petroleumimporteure und bedeutende Sponsoren zahlreicher Bremer Einrichtungen - und noch viele andere mehr. Es lohnt sich, mal nach Führungen über den Riensberger Friedhof Ausschau zu halten!