[15] Der Tarnkünstler

Nahezu unsichtbar auf nacktem Boden

Es ist fast ein Kunststück, die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda coerulescens) zu entdecken. In Rotbraun, Grau, Gelb, fast Schwarz oder fast Weiß passt sie sich genau der jeweiligen Farbe des Untergrundes an, auf dem sie lebt. Markant sind zwei bis drei Querbinden in ihrem Tarnkleid. Doch wenn sie auffliegt und dabei bis zu zehn Meter zurücklegt, ist sie nicht zu übersehen: Im Flug leuchten ihre blau transparenten Hinterflügel auf. Kurz vor der Landung schlägt sie eine Art „Haken", so dass sie scheinbar sofort wieder verschwunden ist.

Eine Heuschrecke, die am liebsten geht …

Während fast alle Heuschreckenarten als hervorragende Hüpfer bekannt sind, bewegt sich die Blauflügelige Ödlandschrecke fast nur gehend fort. Deshalb meidet sie dicht stehende Vegetation und hält sich fast nur auf kahlen Flächen auf.

Auch im Balzverhalten ist die Ödlandschrecke anders als andere Heuschreckenarten: Das allbekannte Werben der Männchen mittels Zirpen kommt bei ihr nicht vor. Nur wenn das Männchen ein Weibchen bereits gefunden hat, kann es zu einem kurzen Zirplaut kommen. Ist das Weibchen nicht paarungswillig, so wehrt es das Männchen mit heftigen Tritten ab …

Nur an den trockensten Stellen in Bremen

Nur auf steinigen Trockenrasen, in Sandgruben oder Steinbrüchen ist die Vegetation lückig genug, um der Ödlandschrecke als Lebensraum zu gefallen. Im Bremer Raum erreicht sie die nördliche Verbreitungsgrenze innerhalb Deutschlands und hat hier eines der bedeutendsten Vorkommen in Nordwestdeutschland. Ursprünglich war sie jedoch wohl auf Bremer Gebiet weitaus häufiger und besiedelte wahrscheinlich großräumig die Bremer Düne und die Schwemmsande der Flüsse. Heute ist sie auf Sandspülfelder und Silbergrasfluren von Binnendünen beschränkt. Bestände mit überlebensfähigen Populationen finden sich noch in der Farger Heide, auf dem Niederbürener Sandfeld, bei einem Güterbahnhof in Bremen-Nord, auf dem Wifo-Gelände, dem Spülfeld Hasenbüren sowie auf der Lankenauer Weserinsel, die derzeit durch Ziegen beweidet wird.