[8] Besuch beim verborgenen Eremiten

Im toten Holz lebt es

Die Bremer Parks lohnen im Sommer nicht nur wegen ihres schattigen Grüns und der Kühle einen Besuch. Besonders in den Parks in Oberneuland stehen auch zahlreiche Bäume, die längst abgestorben sind. Auch wenn die Stämme noch stehen, sind sie mit vielen Spalten, Rissen und Löchern versehen. Handelt es sich um größere Baumhöhlen, die feuchten, stark zersetzten Mulm enthalten, können sie Lebensraum des Eremiten (Osmoderma eremita) sein, der in seiner Gestalt an einen Rosenkäfer erinnert. Weil er selten zu sehen ist und ein „einsames" Leben in einer Baumhöhle führt, hat er seinen seltsamen Namen bekommen. Im Mulm alter oder toter Bäume entwickeln sich die großen weißen Larven, die an Engerlinge erinnern und die drei bis vier Jahre zu ihrer Entwicklung brauchen.

Seine Brutstätten wurden rar

Mit der Eliminierung von Alt- und Totholz aus unseren Wäldern begann der Untergang des Eremiten: Faulende und abgestorbene Bäume wurden entfernt und damit einer Käferart der Lebensraum entzogen, die europaweit geschützt ist. Auch wenn in der Forstwirtschaft heute ein Umdenken eingesetzt hat, werden immer noch im Zuge der „Wege- und Verkehrssicherung" große Äste gekürzt oder abgeschnitten. Und im Sinne der „Baumchirurgie" werden Baumhöhlen verstopft - – Brutbiotope des Eremiten gehen damit verloren.

Der Bremer Käferexperte Axel Bellmann hat die Bäume in Oberneuländer Parks, in denen der Eremit vorkommt, mit einer Nummer markiert. Auch wenn Sie kaum eine Chance haben, einen Käfer zu Gesicht zu bekommen, können Sie ihn vielleicht riechen: Denn sein markanter Geruch nach Juchtenleder dringt manchmal bis an den Erdboden.

Landschaftspark Höpkens Ruh

Der Besuch des lang gestreckten Parks Höpkens Ruh in Oberneuland ist besonders lohnend: Weil es hier den Eremiten gibt, aber auch wegen seiner mehr als 200 Jahre alten Eichen und der besonderen Vielfalt. Der Nachfolger des Parkgründers Jacob Friedrich Schultz (1801-1877) war Kapitän Höpken., der diesen Park der Stadt Bremen mit der Auflage vermachte, nichts zu verändern. Deshalb stehen heute viele der exotischen Baumarten, die Kapitän Höpken von seinen Seereisen mitbrachte, immer noch, wie zum Beispiel Amerikanische Eichen oder Japanische Tannen. An den Ufern der ausgedehnten Teiche im Park wachsen Sumpfzypressen aus Nordamerika, deren Luftwurzeln aus der Erde ragen. Und im Sommer ist die Oberfläche der Teiche meist so dicht mit Wasserlinsen bedeckt, dass sie den trügerischen Anschein bieten, die teppichartig grünen Flächen seien begehbar …