Weser und Werderland ©A. Nowara

[22] Klimatour Teufelsmoor

Was erwartet Sie?

Auf einer Klimatour durchs Teufelsmoor erleben Sie über eine Strecke von 42 km Phänomene, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu sehen sind. Dabei erfahren Sie, wie vielschichtig und komplex dieses Thema ist, machen aber auch angenehme Erfahrungen in Form wunderschöner Landschaftseindrücke. Die Tour beginnt und endet an der Gästeinformation in Worpswede.

Seien Sie vorbereitet: Sie werden außer auf gut befahrbaren Radwegen auch über sandige und holprige Schotterabschnitte fahren. Doch Sie erleben auf dieser Strecke die schönsten Seiten des Teufelsmoors, grüne Wiesen in den Überschwemmungszonen von Flüssen und verschiedene Moorgebiete. Sie können die lange Tour auch in zwei Teilen machen, wobei jeweils Wiesen und Moore im Mittelpunkt stehen.

Vom Weyerberg bis an die Hamme

Die Rundfahrt beginnt an der Gästeinformation in Worpswede (Bergstraße 13). Fahren Sie die Lindenallee bis zum Manfred-Hausmann-Weg hinauf. Dort rechts hinein, am Waldrand bleiben (Susenbarg) und dann zum Steg, der am Hang sichtbar ist.

Klimapunkt 1: Steg am Weyerberg

Dieser Haltepunkt macht auf den zu erwartenden Anstieg des Meeresspiegels aufmerksam, der auch Bremen und das Umland in weitem Maße betrifft! Am Steg sind Rettungsringe und eine Pegellatte angebracht. Ein Außenpfosten zeigt den fiktiven Meeresspiegel der Jahre 2026 und 2039. Unter dem Steg lagert ein Kanadier.

Der Weg führt links den Berg hinunter über den Fritz-Mackensen-Weg. Halten Sie sich rechts und fahren Sie etwa zwei Kilometer auf der Straße Am Hasenmoor, die später Nordweder Straße heißt. Dann biegen Sie rechts ab in die Worpheimer Straße. Überqueren Sie die K 11 und folgen Sie von dem kleinen Parkplatz aus dem Radweg in Richtung Melchers Hütte.

Klimapunkt 2: Trockengelegte Moore

Auf dem Weg in Richtung Hamme kommen Sie durch einen kleinen Erlenwald. Hier war das Gelände vor 50 Jahren noch etwa ½ Meter höher als heute. Torfzersetzung und –sackung ließen sogar die Erlenwurzeln zum Vorschein kommen.

Durch die Entwässerung der Moore konnte statt des Wassers Sauerstoff in den Torfboden eindringen. Dies leitete die Zersetzung der Moorböden ein. Der einsetzende Bodenschwund wurde durch Düngung und Kalkung noch stimuliert. Doch wo blieb der zersetzte Moorboden? Der Kohlenstoff (C), aus dem Torf hauptsächlich besteht, wird an Sauerstoff (O2) gebunden und als CO2 in die Atmosphäre ausgegast! Damit tragen die trockengelegten Moore zum Klimawandel bei.

Klimapunkt 3: Wenn das Hammewasser sich erwärmt

Wenn Sie von der Hammebrücke über die weite Niederung blicken, wird Ihnen vielleicht das braune Wasser der Hamme auffallen. Diese Färbung kommt durch Huminsäuren zustande, die aus den Mooren abgegeben werden. Der Klimawandel führt zu steigenden Temperaturen – und damit nimmt der Sauerstoffgehalt im Flusswasser ab. Besonders in den Sommermonaten erhöht sich die Gefahr katastrophaler Sauerstoffzehrungen in der Hamme und den angeschlossenen Gräben. Viele Organismen reagieren äußerst empfindlich auf verringerte Sauerstoffgehalte im Wasser und sterben ab.

Für eine Rast bietet sich Melchers Hütte an. Danach geht es weiter in Richtung Norden auf dem Weg An der Hamme bis kurz vor den Bahndamm. Überqueren Sie den Bahndamm und fahren Sie dann rechts zu dem deutlich sichtbaren Staubauwerk.

Klimapunkt 4: Moore speichern Wasser

In diesem Bereich wurden drei Hochwasser-Rückhalteräume angelegt. Wenn es in der Hamme zu Hochwasser kommt, können von ihnen bis zu 3,5 Millionen Kubikmeter Wasser aufgenommen werden.

Früher fungierten die noch intakten Moore als natürliche Wasserspeicher. Moore hielten das Wasser wie ein Schwamm fest und gaben es nur langsam wieder an die Umgebung ab. Heute, da Moore diese Funktion verloren haben, müssen die Deiche erhöht werden - und angesichts des zu erwartenden Meeresspiegelanstiegs noch höher als ursprünglich geplant. Wäre es nicht sinnvoller, Moore wieder zu vernässen und ihre natürliche Wasserspeicherfähigkeit zu nutzen? Entwässerungen rückgängig zu machen, bedeutet mehr als nur Klimaschutz zu betreiben: Durch Wiedervernässungen würden auch die selten gewordenen Lebensgemeinschaften der Moore zumindest teilweise zurückkehren.

Hinter dem Stauwehr fahren Sie in einem großen Bogen den befestigten Weg bis zu dem Aussichtsturm, der schon von weitem sichtbar ist.

Klimapunkt 5: Turm mit Aussicht

Oben auf dem Turm werfen Sie einen Blick über die riesige Überschwemmungslandschaft der Hamme bis nach Worpswede im Osten und nach Bremen im Süden.

Der weitere Weg führt vom Aussichtsturm etwa 0,7 km nach Norden bis zum ersten Abzweig. Biegen Sie hier rechts ab. Am nächsten Stauwehr nach circa 1,1 km fahren Sie wieder links bis zur Brücke über das Flüsschen Beek.

Nun können Sie entscheiden, ob Sie die Tour abkürzen wollen: Von hier aus führt ein Radweg zurück nach Worpswede.

Wenn Sie die Hochmoore im Teufelsmoor erleben wollen, fahren Sie über die Brücke und dann nach links. Im Melkhus können Sie einkehren. An der Teufelsmoorstraße fahren Sie wieder links und biegen rechts in den Weg Wulsburg ein. Fahren Sie links an der Hofstelle vorbei. Sie kommen jetzt durch das Tal der Beek. Zur Linken sehen Sie die mit Birkenwäldern bestandenen Moore.

Nach ca. 2,5 km finden Sie links am Weg eine Pforte in das Naturschutzgebiet „Moor bei Niedersandhausen", in das Sie zu Fuß gehen.

Klimapunkt 6: Wachsendes Moor

Dieses Moor wurde seit dem 18. Jahrhundert von den Rändern her abgetorft. Danach wurde es in großen Teilen sich selbst überlassen, und einige Tier- und Pflanzenarten des ursprünglichen Hochmoors haben sich erhalten.

Der Weg führt durch einen nassen Birkenbruchwald mit wassergefüllten Torfstichen, in denen Sumpfcalla und Torfmoosrasen gedeihen. Ein ehemaliger Torfhafen hat sich inzwischen zu einem natürlichen Moorkolk entwickelt. Von den Rändern wachsen Schwingrasen aus Torfmoosen ins Wasser und bilden neuen Torf – diese Flächen sind sehr empfindlich - bitte nicht betreten!

Fahren Sie weiter, bis sich der Weg beim Beginn der Ortslage Ströhe gabelt, und biegen Sie nun rechts ab. Nachdem Sie die Museumsanlage passiert haben, folgen Sie an der Kreuzung dem Kiebitz-Schild rechts in Richtung Vollersode in die Spreddinger Straße, die gleich wieder links abbiegt.

Die Straße verläuft an der Grenze zwischen der sandigen Geest und dem nassen Moor. Hier konnte man noch auf trockenem Grund Häuser bauen und das Moor von der Geest aus abtorfen und kultivieren.

Nach 0,5 km stoßen Sie auf die Straße Schnirrenburg. Biegen Sie hier links ab, um nach weiteren 0,2 km rechts in die Mullstraße zu fahren, der Sie ca. 1 km folgen. Dann biegen Sie rechts ab in die Heilsdorfer Straße. Entweder biegen Sie gleich wieder nach links in die Lange Reihe, oder Sie machen einen Abstecher in das Hamberger Moor, der sich auf jeden Fall lohnt.

Für diesen Abstecher fahren Sie ca. 1,4 km weiter geradeaus. In einer leichten Rechtskurve am Hamberger Damm stellen Sie das Rad ab und gehen rechts den Fußweg in das Moor. Dort können Sie auf einem 1,5 km langen Rundweg das Moor erleben.

Klimapunkt 7: Hamberger Moor

Das Hamberger Moor wurde seit 1985 nach und nach wiedervernässt. Heute setzt sich das Gebiet aus Moorheide und regeneriertem Hochmoor mit einer Vielzahl von Moorgewässern zusammen. Im Hochsommer haben Sie eine gute Chance, zwischen Heidekräutern und Gräsern der Brachen die große Wespenspinne (Argiope bruennichi) zu finden – eine Spinnenart, die mutmaßlich vom Klimawandel profitiert, da sie ist erst in den letzten Jahren aus wärmeren Gebieten in den Nordwesten Deutschlands eingewandert ist.

Danach fahren Sie zurück, bis die Lange Reihe rechts abbiegt. Folgen Sie weiterhin dem Kiebitzschild. An der nächsten Dreierkreuzung folgen Sie der Straße rechts bis zur Einmündung Am neuen Lande. Hier geht es links ab, wieder nach Norden, auf etwa 0,5 km. Dann scharf rechts abbiegen auf den Heißenbütteler Damm, dem Sie bis zur Kläranlage folgen. Dort biegen Sie links in die Verlüßmoorer Straße ab. Sie folgen dieser Straße, bis sie beim Hofladen Lütjen eine scharfe Linkskurve macht.

Als weiterer Abstecher bietet sich zum Schluss das Abtorfungsgebiet des Günnemoores an. Dazu fahren Sie den Feldweg geradeaus.

Klimapunkt 8: Günnemoor

Der Torfabbau im Günnemoor wird wohl in Kürze eingestellt, und große Flächen wurden inzwischen wiedervernässt, Torfmoose erobern das Terrain zurück. Das Moor ist im Herbst ein wichtiger Rast- und Schlafplatz für Kraniche.

Klimapunkt 9: Regenerative Energien

Auf dem Dach eines Bauernhofs (Hof 24) wurde von der Hofgemeinschaft Verlüßmoor im Jahre 2009 eine Photovoltaikanlage installiert.

Vom Abstecher zurück führt die Tour weiter nach rechts durch die Ortschaft Bornreihe. Wo die Kiebitz-Beschilderung nach links weist, halten Sie sich rechts und fahren zurück zur Teufelsmoorstraße. An dem großen Rastplatz in der Ortschaft Teufelsmoor fahren Sie nach rechts noch ca. 0,9 km weit und biegen dann links in einen ausgeschilderten Feldweg nach Worpswede ein, der 6,3 km lang ist. Sie überqueren nochmals die Hamme. Am Ortsschild Worpswede biegen Sie rechts in die Straße Weyerdeelen ein und gelangen zurück zum Ausgangspunkt.

Gästeinformation Worpswede
Gästeinformation Worpswede
Blick über den Bootssteg am Weyerberg in die Hamme-Niederung
Blick über den Bootssteg am Weyerberg in die Hamme-Niederung
Klimawarner-Bootssteg am Weyerberg
Klimawarner-Bootssteg am Weyerberg
Hammebrücke bei Melchers Hütte
Hammebrücke bei Melchers Hütte
Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus)
Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus)
modernes Stauwehr
modernes Stauwehr
Moor bei Niedersandhausen
Moor bei Niedersandhausen
Günnemoor
Günnemoor
Moorfrosch (alle Fotos bis hier: Michael Werbeck)
Moorfrosch (alle Fotos bis hier: Michael Werbeck)