[25] Die Naturapotheke

Gruppiert nach Inhaltsstoffen

Im Heilpflanzengarten, der im Jahre 1905 zunächst am Osterdeich gegründet wurde und erst später mit dem Botanischen Garten in den jetzigen Rhododendronpark integriert wurde, gedeihen heute über 4.000 Taxa, d.h. unterschiedliche Pflanzenarten; damit ist er einer der größten seiner Art in ganz Deutschland. Eine Besonderheit dieses Gartens ist die Anpflanzung nach den Inhaltsstoffen der Pflanzen bzw. nach ihrer Anwendung. So stehen in mehreren Beeten Pflanzen zusammen, die sich durch Alkaloide als Inhaltsstoffe auszeichnen oder auch Arten, die in der Homöopathie Verwendung finden. In diesem Teil des Botanischen Gartens stehen auch Seltenheiten wie zum Beispiel der Kaffeestrauch (Coffea arabica).

Info-Schilder an einigen Pflanzen erläutern die spezifische Wirkung der Inhaltsstoffe.

Da die meisten Arten im Sommer zur Blüte kommen und viele Arten stark duften, ist auch die Zahl der bestäubenden Insekten, vor allem der Bienen und Hummeln, besonders groß.

Die Wege des Heilpflanzen-Gartens führen um vier größere Felder herum, in denen die Beete nach Themen angeordnet sind. Vor der Übersichtstafel im Garten stehend, gehen Sie links zu dem Beet mit den Pflanzen, die Schleime und Fette, Bitterstoffe und Vitamine enthalten, daran schließt das Feld an, in dem Arten mit ätherischen Ölen angepflanzt sind. Rechts von der Übersichtstafel aus liegt das größte Feld, in dem Arten mit Gerbstoffen, Glykosiden, Alkaloiden und Saponinen wachsen. Das daran anschließende Feld schließlich ist Arten vorbehalten, die in der Homöpathie und Volksheilkunde zur Anwendung kommen.

Im Sommer blühen im Heilpflanzengarten unter den Pflanzenarten, die Glykoside enthalten, besonders eindrucksvoll mehrere Fingerhut- (Digitalis) Arten, die Kapuzinerkresse (Tropaeolum najus), Kornblume (Centaurea) oder Sonnenblume (Helianthus). Arten, die Glykoside enthalten, wirken in der Regel auf Menschen abführend, schweißtreibend, schleimlösend, antiseptisch wie auch herzstärkend. Doch diese Stoffe dienen der Pflanze primär dazu, Fraßfeinde abzuwehren.

Große Bedeutung für die Medizin haben bis heute die Fingerhut-Arten: Denn ihre Digitalis-Glykoside liefern wichtige Herzmittel, die stärkend auf den Herzmuskel und regulierend auf die Herzfrequenz wirken.

Alkaloidhaltige Arten

Unter den Pflanzen mit Alkaloiden haben Arten wie der Brennende Busch oder Diptam (Dictamnus albus) im Juli ihre drüsig-behaarten Früchte gebildet. Diese Pflanze enthält phototoxische Stoffe, die menschliche Haut gegen Sonnenlicht sensibilisieren und bei nachfolgender Besonnung zu Verbrennungen führen können.

Alkaloide zählen zu den besonders wirksamen, teils extrem giftigen Pflanzeninhaltsstoffen, seien es Morphin, Strychnin oder Atropin. Im Garten vertreten sind zum Beispiel die im Sommer blühenden Arten Blauer Eisenhut (Aconitum napellus), Schlafmohn (Papaver somniferum) oder Weißer Federmohn. Unter den einheimischen Arten findet sich das Schöllkraut (Chelidonium majus), das vor allem an Straßen- und Wegrändern wächst. Es enthält einen gelblich-orangenen Milchsaft, der in der Volksheilkunde gegen Warzen eingesetzt wurde. Die Inhaltsstoffe des Schöllkrauts werden heute gegen Gallen- und Leberleiden verwendet.

Beim Besuch der Beete erfahren Sie Vieles über die frühere Nutzung vor allem heimischer Pflanzen, die heute vielfach in Vergessenheit geraten ist. Dazu zählt zum Beispiel der im Heilpflanzengarten wuchernde Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense), der wegen seines hohen Gehalts an Kieselsäuren im getrockneten Zustand zum Putzen von Zinn verwendet wurde.

Meist beschränkt sich das Vorkommen von Inhaltsstoffen in Pflanzen nicht auf eine einzige chemische Gruppe: Der Ackerschachtelhalm zum Beispiel enthält außer den Kieselsäuren auch Flavonoide und Saponine, die in der Medizin für die Bekämpfung von Blasen- und Nierenerkrankungen verwendet werden.