[10] Lindenduft liegt über der Stadt

Berauschender Lindenduft

„Unter den Linden" duftet es im Sommer berauschend: Denn der Geruch von Linden ist zart, kühl und leicht süßlich zugleich und lockt in Mengen Hummeln, Bienen und Schwebfliegen an.

Natürlicherweise kommen in Bremen zwei Lindenarten vor: die Sommer- und die Winterlinde (Tilia platyphyllos und Tilia cordata), doch die beiden Arten bilden einen fruchtbaren Bastard, die Holländische Linde (Tilia x europaea). Die aus Südosteuropa stammende Silberlinde (Tilia tomentosa) ist in Bremen ebenfalls vertreten, wurde aber angepflanzt. Sie ist in den letzten Jahren wegen des so genannten „Hummelsterbens" etwas in Verruf geraten – zu Unrecht, wie man inzwischen weiß.

Tote Hummeln unter Silberlinden

Unter Silberlinden, die Ende Juli blühen - und damit weit später als Sommer- und Winterlinde - fanden sich immer wieder zahlreiche tote Hummeln. Es blieb zunächst unklar, warum. Gaben die Linden Gift ab? Lange Zeit stand der Zucker Mannose unter Verdacht, dieses Hummelsterben auszulösen, da er für die Hummeln unverdaulich ist. Doch nach neueren Untersuchungen kommt Mannose im Nektar dieser Linden gar nicht vor. Der Grund für das massenhafte Ableben der Hummeln ist offenbar schlicht Nahrungsmangel.

Denn Ende Juli, wenn die Hummeln auf Nahrungssuche gehen, ist das Nektar- und Pollenangebot in Gärten und Parks meist schon knapp, was auch an der sterilen Gestaltung von Grünanlagen liegt. Nicht besser sieht es meist „auf dem Lande" aus, wo eine monotone Kulturlandschaft dominiert. So bleiben im Spätsommer als eine der wenigen Nektarquellen fast nur noch Silberlinden übrig. Doch zu den Linden müssen die Hummeln oft weite Anflüge unternehmen und verbrauchen dabei viel Energie. Anders als Bienen, die durch ihren Schwänzeltanz die Ergiebigkeit von Nektarquellen kommunizieren können, sind Hummeln nicht in der Lage, ihren Artgenossen mitzuteilen, dass Nahrungsvorräte aufgebraucht sind. Sie sterben also oft, wenn sie an den inzwischen ausgebeuteten Lindenblüten ankommen, in großen Mengen an Erschöpfung – und liegen tot direkt unter den Linden.

Die europäischen Linden enthalten in ihren Blüten Spuren von ätherischen Ölen, Gerbstoffen, Schleimstoffen Zuckern und etwa 10 verschiedene Glyloside, darunter das Tilirosid. Die Lindenblüte gehört zu den beleibtesten Mitteln der Volksheilkunde und wird seit Jahrhunderten bei Erkältungskrankheiten angewendet.